Wanderungen um Paleochora

Die folgenden Texte sind nur ein kleiner Auszug aus "Paleochora live!", einer kleinen Publikation rund um Paleochora, von Ralf Wessels und Stefanie Reinecke aus Hannover - ein unbedingtes "Muß" für alle Paleochora-Freunde. Über seine Adresse könnt Ihr Detailfragen stellen, bzw. ein Bändchen bestellen.

 

Soughia

Soughia, der östlich von Paleochora gelegene Küstenort, scheint wie abgeschottet vom Rest der Welt. Er bietet das ideale Ambiente, um richtig abzuschalten. Prädikat: Reizvoll! Es gibt mehrere Möglichkeiten, von Paleohora nach Soughia zu gelangen: Die kürzeste Strecke führt Am Campingplatz vorbei über Anidri, Rodovani und Eliros zur Küste nach Soughia. Obwohl diese Strecke mit ungefähr 35 km die kürzeste ist, werden Sie keinen Zeitvorteil haben, da der Weg größtenteils schlecht und unbefestigt ist. Nicht zu empfehlen ist es, für diese Tour das Mountainbike zu probieren, da fast 2/8 der Strecke unerbittlich bergaufführen. Eine weitere Anfahrtmöglichkeit ist die Strecke Paleochora-Azogires-Temenion nach Soughia. Allerdings ist auch dieser Weg mit seinen knapp 40 km nicht vollständig asphaltiert. Last but not least: Die Strecke über die Bezirkshauptstadt Kandanos - ca. 50 km. Sie ist auf der ganzen Länge gut befahrbar. Auf allen Routen ist man in etwa 80 Minuten unterwegs. Unsere Empfehlung? Jede Route hat ihren ganz eigenen Reiz. Warum wählen Sie auf dem Hinweg nicht ganz einfach den Weg über Anidri und zurück einen der beiden anderen? Eine empfehlenswerte Alternative ist in jedem Fall die ca. 3/4-stündige Bootstour ab Paleochora vorbei an fast senkrecht abfallenden Felswänden, in der Hochsaison sogar einmal täglich mit einer Autofähre. Das kristallklare Wasser und die Schroffheit der Felsen sind bestechend. Übrigens: An der dunklen Linie oberhalb des Wasserspiegels kann man deutlich erkennen, daß der Meeresspiegel früher mindestens 5,5 m höher gelegen hat. Schließlich bietet sich für Aktive noch die Möglichkeit der anstrengen den (aber lohnenden!) Wanderung von Paleohora nach Soughia. Der Weg führt über Lissos durch eine tolle und abwechslungsreiche Landschaft entlang der Küste und endet nach einer tollen Schlucht im Hafen von Soughia. Von hier aus sind es ca. 5 Min. bis in den eigentlichen Ortskern. Auf dem Weg dorthin passieren Sie die Kirche am kleinen Friedhof. Hier stand einst eine frühe byzantinische Basilika, deren Mosaikboden leider nicht mehr erhaten ist.Soughia zieht sich am ca. 1 km langen und sehr breiten Kieselstrand ent-lang. Hier gibt es mitt-lerweile auch mehrere Süßwasserduschen. Unter dem Kies befinden sich Süßwasseradern, die für den Wasserreichtum Soughias sorgen.Als schönste Badestelle gilt die östlich vom Ortskern gelegene Bucht. Um dorthin zu gelangen, muß man - je nach Wasserstand - teilweise ein paar Meter durchs Meer waten. Aber die Mühe (oder besser die Erfrischung) lohnt sich! Hier findend sich wunderschöne kleine Höhlen und was am übrigen Strand Mangelware ist -schattige Plätze. Dieser Teil wird von den Einheimischen auch Schweinebucht genannt, weil hier überwiegend FKK betrieben wird.In Soughia finden Sie zwei Supermarkets, einen Kiosk, ein Reisebüro, einen Klamottenladen, einige Pensionen, zahlreiche Tavernen und vor allen Dingen eines: Ruhe. Der ortsansässige zutrauliche Pelikan macht Ihnen vor, wie Sie den Tag verbringen können genießen Sie ihn einfach ohne Hektik und Streß! Östlich vom Ortskern fährt Sie das ausgetrocknete Flußbett zu den Terrassen des antiken Syia. Vor 400 Jahren - so sagt man - soll hier eine Siedlung existiert haben. Zu erkennen sind heute noch ein paar Überreste von Mauern und Gewölben. Eine kleine Kreuzkuppelkirche, die vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt, die Agia Irini, liegt oberhalb der Bucht und ist zumeist verschlossen. Den Weg dorthin - er führt am Ortsausgang links vom Wasserwerk hinauf - säumen imposante Kiefern und Olivenbäume. Und wem es zu langweilig erscheint, abends auf das Libysche Meer zu blicken, der findet Unterhaltung in den zwei Diskotheken in Soughia, eine befindet sich kurz hinter dem Ortsausgang Richtung Chania, die andere im Osten des Ortes hinter dem ausgetrockneten Flußbett.

Anidri - Eine Schlucht für Einsteiger...

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eine Schluchtwanderung überhaupt etwas für Sie ist, und Sie nicht gleich die 18 Kilometer lange Samariaschlucht durchqueren wollen, sollten Sie es, mal mit unserem Tip versuchen. Ungefähr 4 Stunden nimmt die eigentliche Wanderung in Anspruch, zu der Sie ausreichend Wasser mitnehmen sollten. Los geht's von Paleohora gen Osten, am Campinplatz vorbei auf der Teerstraße bergauf Richtung Anidri. Nach einem kurzen Schotterabschnitt ist der Weg mittlerweile durchgehend bis Anidri geteert. Er führt vorbei an schroffen Felswänden und schlängelt sich weiter oben durch weite Olivenhaine. Der Ausblick ist toll! Direkt am Ortseingangsschild von Anidri führt die Tour eigentlich rechts hinunter Richtung Schluchteingang. Aber nehmen Sie sich ruhig etwas Zeit, den kleinen Ort anzusehen. Die Gründung Anidris geht auf zwei Brüder zurück, die aus ihrem Heimatort Chora Sfakion vor der Blutrache (,vendetta') ge-flüchtet sind. Auch heute sind somit noch viele der wenigen Einwohner miteinander ver-wandt. Sehenswert ist die Georgskapelle aus dem 14. Jahrhundert, deren Wandmalereien noch gut erhalten sind. Den Schlüssel zur Kapelle gibt es in der Nachbarschaft. Übrigens helfen Sie mit ein paar Drachmen, die Kapelle zu erhalten. Seit Frühjahr 1996 ist auch das Kafenion im ehemaligen Schulgebäude eröffnet. Nehmen Sie sich nach dem doch etwas anstrengenden Anstieg bis Anidri ruhig die Zeit und gönnen Sie sich eine Erfrischung! Von der Terrasse des Kafenions haben Sie einen herrlichen Blick durch den Bergeinschnitt auf das Meer. Wie bereits erwähnt, führt der Weg zum Schluchteingang unmittelbar am Ortseingangsschild von Anidri rechts hinab. Lassen Sie sich von den wenigen abgehenden Pfaden nicht beirren, sondern halten Sie sich Richtung Bergeinschnitt. Nach einigen hundert Metern gelangen Sie an ein Plateau rechts von Ihnen, direkt über der Schlucht. Schräg links von diesem Plateau finden sie ei-nen kleinen, verwucherten Trampelpfad, der Sie auf den richtigen Weg führt. Auch wenn die Schlucht als solche nicht ausgewiesen ist, gibt es Wegmarkierungen. Halten Sie sich an die blauen und später roten Farbmarkierungen auf den Felsen. Kleine Steintürmchen weisen darüber hinaus - und das ist gerade für die kleinen Kletterpartien innerhalb der Schlucht wichtig - den besser passierbaren Weg. Sie gelangen bald in das ausgetrocknete Flußbett - der Anfang der Schlucht. Zu sehen und zu hören gibt es auf dem gesamten Weg einiges. Felsvorsprünge bieten tolle Schattenplätze, kurze, einfache Kletterpartien vermitteln ein wenig Abenteuer. Wem das jedoch zu langweilig ist und wer eine Abkühlung benötigt, der folgt dem Flußbett aus dem sich verengenden Schluchtausgang heraus Richtung Anidri Beach. Der Weg führt durch Sanddünen auf einer Landzunge zum Meer. An dieser Stelle finden Sie teilweise mehr sich in der Sonne aalende Ziegen als sonnenhungrige Urlauber. Die Strände sind hier weiträumig, das Wasser glasklar. Mehr ist an dieser Stelle eigentlich auch nicht hinzuzufügen... Für den Rückweg gilt es, den richtigen Aufgang zum steil ins Meer abfallenden Felsen Richtung Westen zu finden. Orientierung bieten ein paar gelb schwarz markierte Pfähle, der Europawanderweg E4. Nach einigen Ziegenpfaden weisen auch hier wieder Farbmarkierungen und Steintürmchen den richtigen Weg. Auf dem Fels angekommen, haben Sie einen tollen Blick auf die vor Ihnen liegende Küste, Anidri Beach und Paleohora Jetzt geht es am Strand entlang gen Westen wieder am Campinplatz vorbei in die Stadt. Wenn die Wanderung durch die Samaria-Schlucht auch atemberaubender sein mag bei dieser Tour können Sie sich sicher sein, nicht einer von 3.000 Schluchtwanderern gewesen zu sein, trotzdem etwa erlebt zu haben und das alle auch noch gratis!

 

Von Azogires nach Paleochora

Zwischen den Strandtagen... Wenn Sie sich vom Strand ,erholen' müssen, sich etwas bewegen wollen, einige tolle Aussichten genießen möchten und ganz in Ruhe mal Natur pur erleben wollen, schlagen wir Ihnen folgende Wanderung vor. Die einfache Strecke dau-ert ca. 3,5 Stunden. Bitte nehmen Sie sich ausreichend Wasser mit! Ausgangspunkt der Wanderung ist Azogires. Wie Sie dorthin kommen? An einigen Tagen in der Woche können Sie den Bus, der um 6 Uhr ab Pa-leohora in Richtung Omalos fahrt, nehmen. Wenn Sie aber nicht zu den Frühaufstehern gehören, probieren Sie, per Anhalter nach Azogires zu kommen. Die dritte Möglichkeit bietet das Taxi. Auch wenn Sie sich nicht für den 6 Uhr-Bus entscheiden, sollten Sie trotzdem nicht zu spät starten, um nicht der Mittagshitze ausgeliefert zu sein. Wer in Azogires nicht gleich losgehen möchte, kann die Gelegenheit wahrnehmen, sich zunächst einmal die Höhle der 99 Heiligen Väter oberhalb des Ortes anzusehen. Die Wanderung an sich beginnt ca. 100 m vor dem eigentlichen Ort und geht in Richtung Museum bzw. Höhlenkirche los (Bitte beach-ten Sie das Schild!). Auf dem Weg dorthin kommen Sie an der immergrünen Platane vor-bei, deren Aste sich zu Kreu-zen legen. Kurz nach der alten Olivenölfabrik auf der linken Seite gelangen Sie an eine in den Fels gebaute Kirche, in der - so sagt man - die 99 Heiligen Väter gepredigt haben sollen. Diese sind auf der Altarwand zu sehen. Auf dem Gelände befindet sich neben einem Grabmal eines im Krieg gegen die Türken berühmt gewordenen Widerstandskämpfers auch Das kleine Museum. Sie finden hier Relikte der Geschichte Kretas und - ausgestellt in einer Vitrine - Das Erbe eines Priesters aus Azogires, der die Jugendlichen des Ortes vor den Türken versteckte und dem Dorf sein gesamtes Hab und Gut vermachte. Fragen Sie in einer der beiden Tavernen in Azogires nach dem Schlüssel zum Museum! Folgen Sie nun dem Pfad, der durch das Gelände hindurch und später bergauf führt. Sie kommen nun an einigen Ruinen vorbei und passieren dann ein Ziegengatter (bitte schließen Sie es wieder!). Einige Meter hinter diesem Gatter ga-belt sich der Weg. Folgen Sie den blauen Markierungen nach rechts! Wir sind zwar keine Biologen und können somit nicht die vielfältige Vegetation und die Tierwelt namentlich benennen - bis auf einige Eidechsen und Schmetterlinge -aber (und soviel können wir sagen) der Landstrich, den Sie jetzt durchqueren, ist einfach toll. Sie gelangen an ein paar Hausruinen und können hier (etwa unter dem Mandarinen-baum?) die schöne Aussicht genießen. Wenn Sie den vor Ihnen liegenden Bergrücken umrundet haben, sehen Sie Paleohora weit vor sich. Nach einiger Zeit gelangen Sie an einen schattenspendenden Baum, unter dem es sich gut für ein paar Minuten aushalten läßt...Die blauen Markierungen führen Sie bald an einen Tümpel mit Oleanderbüschen und spä-ter in einen wunderschönen Olivenhain. Wenn Sie dieses Feld durchquert haben, kommen Sie an das erste Haus in Anidri und - ob Sie wollen oder nicht - müssen den Hof dieses Hauses überqueren. Halten Sie sich danach rechts, Richtung Südwesten! Wer noch eine Herausforderung braucht und sich vielleicht später noch ein Bad an einem (fast) einsamen Strand genehmigen möchte, der sollte durch die Anidri-Schlucht und über Anidri-Beach nach Paleohora zurückkehren. Unsere Wanderung jedoch führt Sie weiter auf der neuen Straße von Anidri nach Paleohora. Links und rechts des Weges befinden sich schöne Olivenhaine, bevor die Straße in eine staubige Piste übergeht, die durch eine Schlucht führt. Ungefähr 1,5 km vor Paleohora ist die Straße wieder asphaltiert und bringt Sie am Campingplatz vorbei in den Ort zurück.

Paleochora-Lissos-Sougia

Wanderung Paleohora - Lissos - Soughia Wenn Sie etwas Abstand und Ruhe brauchen, mal ganz allein Kretas Fauna und Flora genießen wollen und etwas Bewegung benötigen, dann sollten Sie es mit unserem T(r)ip - der Wanderung von Paleohora über Lissos nach Soughia - versuchen! Auch wenn die Distanz nur knapp 12 Kilometer Luftlinie beträgt, die ha-ben es in sich! Bis zum Kap Flomes geht es größtenteils bergauf, dann hinunter nach Lissos und bevor Sie Soughia erreichen noch einmal aufwärts. Bis Lissos dauert es etwa 3,5 Stunden ( hier können Sie im Libyschen Meer ein erfrischendes Bad nehmen!) und dann sind es ungefähr noch 1,5 Stunden bis Soughia. Da fast der ganze Weg ohne Schatten ist, sollten Sie, zumindest während des Hochsommers, schon um 6 Uhr morgens starten und sich pro Person mit ca. 3 Liter Wasser versorgen. Festes Schuhwerk und eine Kopfbedeckung zu tragen, versteht sich von selbst! Los geht es von Paleohora am Campingplatz vorbei Richtung Osten. Wenn die Teerstraße links hinauf nach Anidri führt, halten Sie sich entlang der Küste auf der Schotterstraße, bzw dem späteren Sandweg. Die Strecke ist hier bereits in Form von gelbschwarz gestreiften Stangen als ,Europawanderweg E4' gekennzeichnet. Dazwischen helfen Farbmarkierungen und Steinmännchen auf einigen Felsen, den richtigen Weg zu finden. Nach knapp 45 Minuten haben Sie -wenn Sie oben auf dem Felsvorsprung stehen - eine tollen Blick zurück auf die Halbinsel von Paleohora und vor Ihnen breitet sich Anidri -Beach aus. Spätestens an dieser Stelle sollte der Sonnenaufgang noch nicht Belohnung genug gewesen sein - werden Sie das frühe Aufstehen vergessen haben. Nachdem Sie Anidri-Beach hinter sich gelassen haben, können Sie bald auf eine klei-ne einsame Bucht hinunterschauen, die - zugegeben - zum Baden lockt. Das vor Ihnen liegende steil ins Meer abfallende Kap Flomes müssen Sie landeinwärts überqueren. Dazu geht es nun einige Zeit schräg bergauf. Auf einem gut begehbaren Feldweg passieren Sie die Hochebene, überqueren dabei einen weite-ren Feldweg (folgen Sie dem großen Steinpfeil) und beginnen mit dem Abstieg nach Lissos. Die nächsten 30 Minuten haben Sie immer wieder einen herrlichen Blick auf die fantastisch felsige Umgebung, das Libysche Meer und bald erkennen Sie auch eine Kapelle von Lis-sos. Orientieren Sie sich Rich-tung Küste! Von dort aus können Sie, wenn Sie zurückschauen, auf der linken Seite die Reste von römischen Grabkammern am Hang entdecken. Halb rechts, ca. 100 m landein-wärts, befindet sich eine wie-der aufgebaute kleine Kapelle, die ,Panagia' (Gottesmutter), mit einigen herumliegenden Säulenresten. In der zweiten kleinen Kapelle, der ,Agios Kyrikos' (Name des Schutzpatrons von Lissos), befinden sich einige stark beschädigte Fresken. In diese Richtung, landeinwärts, müssen Sie dem Weg gen Norden folgen und das Haus des Geländeverwalters links liegen lassen. Die Übrigbleibsel des Asklepios- Tempels mit einem gut erhaltenen Mosaikfußboden finden Sie an der östlichen Talseite ca. 120 m vom Haus des Verwalters entfernt. Der Weg nach Soughia führt nun sehr steil in Serpentinen rechts vom Tempel den Hang hinauf. Nachdem Sie die kahle Hochebene überquert haben, führt der Weg durch einen Aleppo-Kiefern-Wald hinunter in eine sehr schöne Schlucht. Diese Strecke durch die Schlucht ist zum Glück länger als man zunächst vermutet. An einer Stelle hängen die ca. 30 m hohen, ausgewaschenen Felswände einige Meter über dem ausgetrockneten Flußbett. Der Ausgang der Schlucht endet genau an der Hafenanlage von Soughia. Falls die Kraft noch reicht, können Sie von dort in fünf Minuten in den Ort laufen, sich dort umschauen und später eine der Fähren zurück nach Paleohora nehmen.