Rund um Paleochora

 

Azogires

In vielen Reiseführern wird er einfach unterschlagen, obwohl der kleine Ort nordöstlich Paleohoras nicht minder interessant ist als andere - aber eben bekanntere - Ausflugsziele. Azogires bietet in erster Linie Ruhe in einer tollen Landschaft und Beweise einer spannenden Vergangenheit. Die Anfahrt: Der täglich verkehrende 6-Uhr-Bus von Paleohora nach Omalos fährt an einigen Tagen der Woche über Azogires (sonst über Anidri). Nach den genauen Terminen sollten Sie sich in Paleohoras Touristik-Büro erkundigen, da sie saisonabhängig sind. Zurück geht es dann meistens gegen 15 Uhr ab Azogires -bitte fragen Sie den Busfahrer nach der exakten Abfahrtzeit! Sollten Sie mit dem eignen Fahrzeug unterwegs sein, müssen Sie nach ungefähr 3 km auf der Straße Paleohora - Chania rechts auf die steil ansteigende, teils unbefestigte Straße nach Azogires abbiegen. Der Ort beherbergt heute nicht mehr annähernd so viele Einwohner wie früher, auch die Wohnkulturen haben sich sichtlich geändert. Aber wie einst - der Sage nach - die 99 Heiligen Väter lebten, kann und sollte man sich unbedingt ansehen. Sie kamen im 12. Jahrhundert mit dem Heiligen Johannes nach Azogires. In der Höhle, in der die Heiligen lebten, steht heute eine ihnen geweihte Kirche, die wirklich sehenswert ist. Als der Heilige Johannes aufbrach, um auf der bei Chania gelegenen Halbinsel Akrotin zu leben, zogen die 99 Heiligen Väter in seine Höhle. Diese liegt etwa 2 km oberhalb von Azogires. Der Aufgang geht links vor der ersten Taverne von der Straße ab. Man gelangt mit dem Fahrzeug jedoch nur bis zum ersten Zaun und muß es dort stehen lassen. Sie sollten das Gatter übrigens bitte wieder schließen, nachdem Sie es passiert haben, denn so können die Ziegen nicht ausbüchsen. Ein kleines, sehr unscheinbares Hinweisschild mit einem Pfeil und der Aufschrift ,,cave" weist den Weg zur Höhle. Ungefähr 500 m nach dem Zaun entdecken Sie auf einem Fels ein weißes Kreuz. Es dient als Orientierungshilfe, da es einen Weg im eigentlichen Sinne nicht gibt, sondern nur einen Trampelpfad. Wenn Sie das zweite Gatter hinter sich gebracht haben (bitte auch dieses wieder schließen!), geht es über ein paar Felsbrocken zu den zwei gegeneinander gelehnten Felswänden, dem Eingang zur Höhle. Über einige Metalleitern (Vorsicht, es fehlen ein paar Sprossen!) ist der lohnende Abstieg leicht zu machen. Durch einen Felsspalt fällt Tageslicht in die Höhle, was allerdings nicht ausreicht, um die beiden Gänge, die vom Altar abzweigen, zu erkunden. Eine Taschenlampe ist hier angebracht! Angeblich soll es einige Meter tiefer auch Wasser geben und Knochen... Die Geschichte mit den 99 Heiligen Vätern geht nämlich noch weiter: Bevor Johannes zur Halbinsel Akrotin aufbrach, schworen die Väter einander, daß für den Fall, daß einer von ihnen sterbe, die anderen ihm in den Tod folgen würden. Zum Schutz vor der Kälte trug Johannes auf Akrotin ein Fell, wurde von einem Bauern für ein wildes Tier gehalten und von ihm mit einem Pfeil angeschossen. Johannes schleppte sich zurück in seine Höhle; der Bauer folgte der Blutspur und sah an dem Licht, in dem sich die Höhle erhellte, daß er einen heiligen Mann getroffen hatte. Johannes vergab dem Bauern, allerdings sollte dieser nach Azogires gehen, um den 99 Heiligen Vätern zu sagen, daß nun auch sie - gemäß des Schwurs - sterben müßten. Als der Bauer in Azogires eintraf, waren jedoch bereits alle Brüder tot. Die eigentliche Höhle soll unter der heute begehbaren liegen, allerdings kennt keiner (?) den Eingang dazu. Nach der Besichtigung der Wohnhöhlen lohnt der Weg ins Museum und zu der bereits erwähnten Höhlenkirche. Fragen Sie nach dem Schlüssel zum Museum in einer der beiden Tavernen in Azogires. Noch vor Beginn des eigentlichen Ortskerns führt rechts ein Weg hinab zu diesen beiden Sehenswürdigkeiten. Sie kommen an der immergrünen Platane vorbei, von der sich die 99 Heiligen Väter wünschten, daß sie zu jeder Jahreszeit grün sein möge und daß sich die Aste zu Kreuzen formen. Davon, daß dies tatsächlich geschehen ist, können Sie sich überzeugen!

Die Irini Schlucht

Sie steht immer im Schatten der weitaus bekannteren, weil längeren, Samaria-Schlucht, obwohl sie das eigentlich nicht nötig hat - die Irini-Schlucht. Diese wunderschöne, vor allen Dingen einsame und üppig bewachsene Schlucht, erstreckt sich über eine Länge von ungefähr 7 Kilometern. Sie sollten auf jeden Fall festes Schuhwerk tragen und sich mit Wasser versorgen, das es auf der ganzen Strecke nämlich nicht gibt. Während der Hauptsaison bie-ten Reisebüros in Paleohora verschiedene, geführte Touren an. Wer lieber, was auf eigene Faust unternimmt, bzw. außerhalb der Hochsaison diese Schlucht durchwandern will, sollte folgende Variante wählen. Die Anfahrt: Nehmen Sie den 6-Uhr-Bus, der ab Paleohora Richtung Omalos fährt und bitten Sie den Busfahrer, am Eingang der Irini-Schlucht zu halten. Ungefähr 1,5 Stunden dauert die Anfahrt bis dorthin. Das Naturschauspiel, das sich ihnen auf der Fahrt bei aufgehender Sonne bietet, ist imposant und entschädigt für die viel zu kurze Nacht! Kurz hinter Epanohori und noch vor Beginn des Ortes Agia Irini führen zwei Wege rechts hinunter in die Schlucht. Wählen Sie den rechts vom Schluchteingangsschild beginnenden Einstieg. Nach ein paar Metern kommen Sie an eine im Sommer 1996 eröffnende Bar vorbei. Der Bach führt an dieser Stelle noch etwas Wasser. Vielleicht sind Ihre Sinne nun auch schon etwas wacher und Sie erkennen die Mischung aus Rosmarin, Salbei und Thymian, die zwischen der dichten Macchie und den Bäumen wächst und den Weg säumt. Nach ungefähr einem Kilometer passieren sie eine Zisterne. Der Weg führt nun hoch über das ausgetrocknete Flußbett, bevor er sich serpentinenartig hinunter schlängelt. Rote Farbmarkierungen auf den Felsen weisen Ihnen den Weg, Steintürmchen darüber hinaus den besser begehbaren. Die Felsen des Flußbetts werden nun auch größer und die Steilhänge links und rechts vor Ihnen schroffer. Oleanderbüsche gibt es hier in rauhen Mengen. Nach ungefähr einer Stunde gelangen Sie an einen großen Fels, auf dem die Wegmarkierung nicht eindeutig ist. Wählen Sie den kleinen Pfad, der links hinauf führt! Sie gehen mal hoch über dem Flußbett, mal mittendurch, immer durch eine üppige Vegetation von Kastanien, Johannisbrotbäumen, orientalischen Platanen (... und da hörte unser biologisches Wissen um die Namen auch schon auf). Hier und da müssen Sie einige Reste der Bäume, die 1994 einem Waldbrand zum Opfer gefallen sind, überwinden. Nach etwas mehr als zwei Stunden kommen Sie an eine Stelle in der Schlucht, von der aus Sie zum ersten Mal die Sonne sehen können, wie sie nicht nur die sehr hohen Bergspitzen streift, sondern auch in die Schlucht scheint. In Wirklichkeit haben Sie noch ein ganzes Stück im Schatten zurückzulegen, bis hier und da, mal die Sonne durch die dichte Bewachsung durchlukt. Das Gestein der Felswände ändert sich alle paar hundert Meter. Höhlen haben sich weit über dem Flußbett gebildet. Bald gelangen Sie an eine Stelle, an der vereinzelt kleine Schluchten von links und rechts in die Irini-Schlucht münden. Mit langen Hosen kann man sich hier gut durchschlagen - verlockend ist es! Nach gut 2,5 Stunden werden die Felswände allmählich wieder flacher und Sie nähern sich dem Ende der Schlucht. Folgen sie nun den Farbmarkierungen, die links über den Rand des Flußbetts durch einen Olivenhain und auf einen Feldweg führen, der nach ein paar Metern wieder parallel zum Flußbett verläuft. Dieses müssen Sie nach rechts überqueren, wenn der Feldweg auf eine asphaltierte Straße stößt. Folgen Sie dieser asphal-tierten Straße Richtung Soughia. Bald kommen Sie an ein Straßenschild, das Soughia ausweist. Eine gute halbe Stunde dauert's von hier noch (ganz bestimmt nicht die angegebenen 5,5 Kilometer) bis in den Ort, wo Sie sich vielleicht noch ein erfrischendes Bad gönnen...?! Viel Spaß!

Elafonissos - Kloster Chrisoskalitissas

,,Südseecharakter hat es", sagen die einen, ,,Kinderparadies" nennen es die anderen... in gewisser Hinsicht hat jeder recht und man sollte ihn sich wirklich nicht entgehen lassen: den Traumstrand Elafonissos. Kombiniert mit einem Besuch des Klosters Chrisoskalitissas ist es ein runder Tag. Mit dem eigenen Fahrzeug gibt es zwei Anfahrtmöglichkeiten: Die Route über Voutas, Strovles und Kefah ist mittlerweile überholt, obwohl die Landschaft ihren Reiz hat! Die besser befahrbare Strecke führt über das westlich von Kandanos gelgene Plemeniana nach Voutas, Strovles und letztendlich nach Elafonissos. Auf beiden Wegen dauerts in etwa 1 1/2 Stunden. Die Bootstour ab Paleohora nimmt eine Stunde in Anspruch und ist sicherlich entspannender als die Anfahrt mit dem Fahrzeug. Der Anblick des Strandes Elafonissos lockt zum Baden - keine Frage. Aber auch das Kloster Chrisoskalitissas ist einen Besuch wert! Während der Hochsaison ist sogar beides möglich, wenn man mit dem Boot fährt, weil es mehrere Abfahrtzeiten am Tag gibt. 5 km von Elafonissos entfernt liegt Chrisoskalitissas auf einem Felsen über dem Meer. Der Weg führt über die einzige, sehr staubige Schotterpiste von Elafonissos dorthin und dauert zu Fuß in etwa 80 Minuten. Wenn Sie ein Fahrzeug haben, bietet es sich an, zunächst die auf dem Weg gelegene Klosteranlage zu besuchen und sich anschließend die Zeit am Strand zu vertreiben (was kein Problem bereiten sollte). Übrigens ist Elafonissos längst nicht mehr so dreckig wie zu seinen Geheimtip-Zeiten. Der Lagune, den kleinen Inseln, die man erreicht, wenn man durch das flache, glasklare Wasser watet - eigentlich der ganzen Atmosphäre ist nichts hinzuzufügen... Aber dem Kloster: Auch wenn hier heutzutage nur noch eine Nonne - Monachi Theodore - und ein Mönch -Pater Nektarios - leben, ist es nicht still um diese Stätte geworden. Sogar vom griechischen Festland, von allen Teilen Kretas und natürlich aus der Umgebung kommen die Gläubigen alljährlich am 15. August hier zusammen, um Maria Himmelfahrt zu feiern. Es ist also ein ganz besonderer Ort! Chrisoskalitissa bedeutet ,Goldene Treppe'. Es heißt, daß einst eine der 90 Stufen der Klostertreppe aus Gold gewesen sei und nur derjenige sie sehe, der, frei von Sünde sei. Legenden zu diesem Kloster gibt es unzählige, vielleicht sogar mehr als historische Dokumente. So soll die Heilige Maria Türken, die ihr Boot zur Invasion in der Bucht vor dem Kloster anlegten, erstarrt haben lassen. Wenn - so sagt man - das Meer ruhig ist, soll man die 5 zu Stein Erstarrten auf dem Meeresgrund sehen können. Wieder eine andere Sage aus dem frühen 19. Jahrhundert erzählt, daß eine Wildbiene einer türkischen Einheit, die sich dem Kloster näherte, den Weg versperrte. Wie bereits angesprochen, hat das Kloster einige Schäden durch die Venezianische Herrschaft, die Türken und durch den 2. Weltkrieg erleiden müssen, so daß kaum Dokumente erhalten sind, die zuverlässig Auskunft über die Historie geben könnten. Ziemlich genau jedoch steht fest, daß im 19. Jahrhundert hier ungefähr 200 Mönche lebten. Im 2. Weltkrieg fanden hier englische und aliierte Soldaten Zuflucht vor den deutschen und italienischen Truppen, bevor sie dann heimlich über den Seeweg nach Ägypten flohen. Als im Juni 1943 die Deutsche Wehrmacht im Kloster ein Gefangenenlager und ein Gefängnis errichtete, wurden die Mönche vertrieben. Übrigens: Der Altar und auch die Ikonenwand stammen aus dem späten 19. Jahrhundert.

Eine Fahrt ins Grüne

Fahrt ins Grüne Schatten gefällig? Etwas Ab-wechslung zum Strandleben? Unser Rundtrip bietet sich be-sonders denen an, die ihre son-nengeplagte Haut, mal etwas schonen wollen. Außerdem erleben Sie auf dieser Tour eine Vegetation, die man in dieser Größenordnung nicht auf Kreta vermuten würde, die aber in dieser Umgebung gerade deshalb einen ganz besonderen Reiz hat. Sie starten am besten mit dem Auto oder - womit man der Natur immer noch ein Stückchen näher ist mit dem Motorrad Richtung Chania. Am Ortsausgang von Plemeniana biegen Sie links ab Richtung Dris. Ungefähr 2 km hinter Strovles fahren Sie wiederum links -nach Elos (Richtung Elafonissos). In Elos sind Sie auch schon an der ersten Station unseres Rundtrips angelangt. Lassen Sie Ihr Fahrzeug am besten unten im Ort stehen, im neuen Teil der Stadt. Noch vor den beiden Tavernen führt links ein Weg hinauf zur Kirche. Wenn Sie die Kirche hinter sich lassen und sich dann halb rechts halten, stoßen Sie auf einen Bach und auf einen faszinierenden Kastanienwald. Wenn Sie am Bach den Weg wählen, der links hinaufführt, kommen Sie tiefer in den Wald. Das Gras und die saftiggrünen Farne werden hier noch zahlreicher und die Versuchung, sich hier einfach hinzusetzen und das alles auf sich wirken zu lassen, vielleicht auch noch größer. Lassen Sie sich einfach treiben! Der Weg führt weiter zu einem Ziegenstall. Halten Sie sich halb rechts, am Hang entlang. Wenn Sie diesem Weg folgen, stehen Sie als-bald in ei-nem Olivenhain recht weit oben auf dem Berg und haben einen tollen Blick über die Region. Auf dem gleichen Weg zurück gelangen Sie an einen schmalen Durchlaß im Zaun, der links ins Tal führt. Nach einigen Metern windet sich dieser Pfad schräg nach rechts. Er führt zu einer Kirche, dessen Portal in Richtung Alt-Elos weist. An dem ersten Haus müssen Sie rechts vorbei, um in den alten Teil des Ortes zu kommen. Nun ist es gleich, für welchen Weg Sie sich entscheiden, um wieder zu Ihrem Fahrzeug zu gelangen - sie führen beide wie-der auf die Hauptstraße, die durch Neu-Elos hindurchführt. Unser Rundtrip geht nun weiter über Limni, Rodgia und Vlatos. In Vlatos führt, kurz vor dem Ortsausgang, von der Hauptstraße links eine Pi-ste hinauf. Folgen Sie den Schildern ,Arboretum' - Park des Friedens bzw. ,Milia'. Bis zum Arboretum sind es ca. 1,2 km. Der Park, der quasi in den Bergen liegt, wurde in den 70er Jahren angelegt. Dazu taten sich umweltbewußte Bürger von VIatos, die Stadt Chania, der Freistaat Bayern und eine Division der Bundesluftwaffe zusammen. Entstanden ist eine wunderschöne und sehr gepflegte Anlage - nicht so steril wie ein Park im nordeuropäischen Sinne, sondern üppig bewachsen und idyllisch gelegen. Hier kommen Naturliebhaber voll und ganz auf ihre Kosten! Wenn Sie der Straße weiter auf den Berg hinauf folgen, kommen Sie nach ca. 3,5 km in das ,wiederaufgebaute' Dorf Milia. Die Häuser dort sind jedoch nicht einfach ,wieder aufgebaut' worden - vielmehr sind sie mit sehr viel architektonischer Rafinesse in den natürlichen Felsen integriert. Wenn Ihnen weder der Kastanienwald von Elos, noch der Park des Friedens die nötige Ruhe gegeben haben - hier haben Sie diese bestimmt. Aber sehen Sie selbst! Über Mili und Strovles geht es nun zurück nach Paleohora. Aber diesmal über Voutas: Nehmen Sie dazu hinter Strovles die Abzweigung nach rechts. Sie fahren zunächst durch eine sehr schroffe und kahle Berglandschaft, die dann durch zerklüftete Felsen durchzogen mit üppiger Vegetation, abgelöst wird. Bald haben Sie einen tollen Blick auf das vor Ihnen liegende Paleohora - Aufnahme gefällig?