Der Weg von Chania nach Paleochora (mit einem wenig Geschichte)

Eine weitere schöne Strecke über die Berge des Distrikts Chania, die durch grüne Landschaft und malerische Dörfer zum libyschen Meer führt, ist die nach Paleochora. Man erreicht zunächst Woukolies, ein schönes, größeres Dorf und danach Floria, wo zwei Kirchen mit byzantinischen Wandmalereien stehen: die Kirche der Hl. Väter, gebaut 1462 und die des Hl. Georg (1497), wo man die Heiligenbilder des berühmten Hagiografen Georgios Provatopoulos sehen kann. KANTANOS Danach kommt man nach Kantanos, der Hauptstadt des Distrikts Selinos die auf dem Grund der alten gleichnamigen Stadt gebaut ist. Der Stadtname heißt Stadt des Sieges aus dem altgriechischen kaino(töten) und kantores (die Herrscher). Von dem antiken Kantanos ist nichts als wenige Spuren aus römischer Zeit erhalten, die bezeugen, daß Kantanos damals blühte, sowie in byzantinischer Zeit, als es Bischofssitz war. Es gibt viele byzantinische Kirchen mit Wandmalereien und Fresken, deren wichtigsten die des Erzengels Michael mit der Wandmalerei von Ioannis Pagomenos (1328), der Hl. Kyriaki, des Hl. Johannes, der Hl. Anna und der Muttergottes sind. Die Bewohner von Kantanos leisteten im 2. Weltkrieg erbitterten Widerstand gegen die deutschen Besatzungstruppen. Die Stadt wurde von den Deutschen erobert, die meisten männlichen Bewohner wurden ermordeten, Kantanos dem Erdboden gleichmachten, und der Zugang zum Stadtgebiet verboten. Ein Schild mahnt: Hier stand Kantanos. Es wurde erst nach der Befreiung Kretas wiederaufgebaut und besiedelt. KADROS Schon im vorigen Jahrhundert schrieben Reisende über Kadros. Die Stadt blühte in der hellenistischen Zeit (4.-1. Jh. v.Ch.). Stark befestigt und von einer polygonisch gebauten Stadtmauer umringt, herrschte es über das Gebiet des heutigen Dorfes Kakodiki, wo im Vlithiatal die Archäologen bis hinunter nach Paleochora Spuren kleiner Siedlungen ausgegraben haben. Von Kadros sieht man heute Hausmauern und Grundrisse großer, wahrscheinlich öffentlicher Gebäude, und in Felsen gehauene Gräber. PALEOCHORA Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde Paleochora auf den Ruinen des antiken Kasteli erbaut. Im Jahre 1282 errichteten die Venezianer das historische «Kasteli Selino», auf das auch der Name Selino für diesen Bezirk zurückzuführen ist, der bis dahin «Orina» genannt wurde. Das heutige Provinzstädtchen entstand endgültig Ende des letzten Jahrhunderts mit dem Namen Paleochora. Die Festung, welche die Spitze der kleinen Halbinsel beherrscht und einen wunderbaren Blick auf das Lybische Meer bietet, wurde oftmals zerstört und wiederaufgebaut von den Venezianern, den Türken, den Piraten des Berbarossa, den kretischen Revolutionären und den deutschen Nazis während des zweiten Weltkrieges. Heute sind nur noch die quadratischen Außenmauern wie auch Zisternen und Ruinen im Inneren des Kastells erhalten. An den Außenmauern sind Spuren der türkischen Angriffe zu erkennen. Fünf Kilometer außerhalb von Paleochora befindet sich das Dorf Anydri, wo Sie eine byzantinische Kirche des 14.Jh. mit wunderbaren Fresken besuchen können. Im Dorf Azogyres gibt es ein historisches und volkskundliches Museum wie auch die Kirche der Heiligen Kirchenväter. Dort in der Nähe ist auch die interessante Höhle «Zoure», wo laut Überlieferung die Heiligen Kirchenväter gelebt haben sollen. Wir empfehlen Ihnen ein Stück Kretas auf den europäischen Wanderpfaden F4 zu erkundschaften oder auch mit einem Fischerboot oder einer der kleinen Fähren die Insel Gavdos oder einen der wunderbaren Strände von Agia Roumeli, Sougia, Lissos, Loutro, Finikas und von Chora Sfakion zu besuchen. Übersehen Sie auch nicht, daß es von Paleochora aus möglich ist, folgende Schluchten zu durchwandern: Samaria, Agia Irini und ganz in der Nähe die Anydri-Schlucht. Paleochora (2000 Einwohner, 75 km von Chania entfernt) verfügt heute über 1900 Betten in Hotels und Pensionen, einen Campingplatz für 500 Personen, Strände von 18 km Länge, einen regen Markt und viele Vergnügungsmöglichkeiten, sowohl tagsüber wie auch nachts und ist in dieser Hinsicht nicht weniger attraktiv als andere Ferienorte. Strände: Pachia Ammos (westliche und östliche Seite), Chalikia (Kiesstrand), Krios, Plakaki, Keratides, Geniskan, Kountoura, usw. Von hier aus kann man zur Insel Gavdos, dem südlisten Ort in Griechenland fahren. Schöne Strände und Pinien und Zedemwälder machen Gavdos ein lohnendes Ausflugsziel, das man zu Fuß durchwandern kann. Die Insel wird seit der Neusteinzeit bewohnt und nach der Sage ist es die Ogygia der homerischen Odyssee, die Insel der Kalypso, die Odysseus für sechs Jahre fesselte. In klassischer Zeit war Gavdos der Stadt Gortyna untertan, bewahrte aber eine gewisse Selbständigkeit. Im Lavrakas Bucht existieren Felsengehauene Gräber und auf dem Hügel des HI. Johannes Grundrisse antiker Gebäude. Im Spätmittelalter und bis zum 17.Jahrhundert war Gavdos Piratenzuflucht.