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Die Geschichte der Samaria-Schlucht

Die Samaria-Schlucht entstand vor ungefähr 14 Millionen Jahren, als tektonische Bewegungen die Gesteinsschichten der Gegend falteten und spalteten. Das Regenwasser grub sich auf seinem Weg zum Meer immer tiefer in die Felsen hinein (Kalkstein, Dolomiten, Schiefer, Marmor, etc.) und schuf so die enge, steile und eindrucksvolle Landschaft dieser Schlucht. Die schmalste Stelle ist nur etwa 3,5 m breit. Das Wasser, mit seinen Wasserfällen und den 22 Quellen, ist immer noch eine der wichtigsten natürlichen Charakteristika des Naturschutzparks. Zur Schlucht alter Stich von Samaria führt der Weg über die nordwestliche Seite der Weißen Berge und der Hochebene von Omalos. Wir kommen zunächst nach Fournes, ein reiches Dorf mit Apfelsinenplantagen und dann nach Lakki, das letzte Dorf vor der Hochebene. Lakki hat während der Aufstände der Kreter gegen die Türken im 19.Jh. eine zentrale Rolle gespielt. Dann geht der Weg steil hinauf und auf einer Höhe von 1080 Metern erreichen wir Omalos, eine kreisförmige, von felsigen Bergen umgebene Hochebene. Die natürliche Festung Omalos bot den aufständischen Kretern immer Zuflucht. Am Eingang der Hochebene stehen kleine Steinhäuser, die nur im Sommer bewohnt werden und die Panteleimon-Kirche mit dem Grab des Hadjimichah Glannan, Führers der Revolution von 1821. An der Südseite von Omalos, an der Stelle Xyloskalo, 1200 m. über dem Meeresspiegel, endet die Straße; man hat den Eingang der Schlucht von Samaria erreicht. Nach 4-5 Kilometern durch eine wilde, grüne Landschaft kommt man zur Kirche vom Hl. Nikolaus und zum Dorf Samaria, eine kleine Holzfällersiedlung, die seit 1965 unbewohnt ist. Die Schlucht wurde zusammen mit dem Dorf Samaria 1962 zum nationalen Naturschutzpark erklärt (königliches Dekret 781/62). 1964 kaufte die Regierung allen Privatgrund auf, enteignete die wenigen Bewohner des Ortes Samaria und siedelte sie aus der Schlucht aus. 1980 erhielt Griechenland vom Europarat eine Auszeichnung für die Schlucht als hervorragend geschütztes Naturreservat von höchster Bedeutung. Bis 1962 lebten in Samaria Fischer und Holzfäller, laut Beschreibung mit hellen Haaren und sehr groß - vielleicht waren es Nachfahren der Dorer. Fern ab der Staatsgewalt hatten sie ihre eigenen Gesetze und die Blutrache soll verbreitet gewesen sein. Mit der Umwandlung der Samaria-Schlucht in einen Nationalpark hatte der Staat nun endlich die Möglichkeit das "Tal der Gesetzlosen" zu säubern.
Nach dem Dorf Samaria erreicht man die byzantinische Kirche der Hl. Maria der Ägypterin. Auf einem Bild (1740) wird die Heilige dargestellt, der die Hl. Kommunion vom Hl. Josimas gereicht wird. Zum Schluss erreicht man Portes, den letzten und imposantesten Teil der Schlucht. Hier ist der Raum zwischen den Felsenwänden nur noch 3 Meter breit. Nach Portes, den Ausgang der Schlucht von Samaria, führt der Weg nach Agia Roumeli. In der Antike stand hier die Stadt Tarra - wahrscheinlich von den Dorern gegründet, hatte sie ihre Blütezeit während der römischen Epoche. Jedoch hat man auch vereinzelte minoische Funde gemacht. Zu sehen ist heute von Tarra so gut wie nichts mehr. Tarra wurde von vielen Autoren der Antike als eine kleine, aber starke und unabhängige Stadt erwähnt wird . Tarra halte eigene Münzen, die auf der einen Seite den Agagren mit Pfeil und auf der anderen eine Biene darstellten. Nach der Eroberung Kretas von den Dorern wurde Tarra zum religiösem Zentrum mit großen Tempeln, vor allem denen von Apollo und der Artemis Vritomartys. Auf der Stelle, an der der Apollo-Tempel stand, wurde später, während der Herrschaft Venedigs, mit Teilen des antiken Baus eine Marienkirche errichtet. Die meisten Funde aus Tarra stammen aus hellenistischer und römischer Zeit. Während der venezianischen Epoche war Agia Roumeli wegen der großen Holzvorkommen der Lefka Ori ein wichtiges Schiffsbauzentrum. Raubbau und Feuer zerstörten die Wälder bis heute. An vielen Stellen in der Schlucht sieht man noch die Oberwasser-Kanäle und Fundamente von ehemaligen Wassermühlen. Da die Schlucht hinter der "Eisernen Pforte" nie von Türken erobert wurde, sind es wohl Reste aus venezianischer Zeit. Seit dem 18. Jh. diente Agia Roumeli und die ganze Samaria-Schlucht, als wichtiger Stützpunkt im kretischen Widerstandskampf gegen die Türken. Die kretischen Kämpfer hatten hier ihre großen Waffenlager. Der berühmte Widerstandsführer Daskalojannis aus Anopolis macht die Samaria-Schlucht 1770 zu seinem Stützpunkt. Bei dem Versuch der Türken, die Schlucht zu stürmen, konnte sie der Partisanenführer Yannis Bonatos mit nur 200 Mann an der Eisernen Pforte abwehren. Auch die folgenden Versuche der Osmanen, vom Omalos-Plateau in die Schlucht einzudringen, scheiterte an der Verteidigung durch die ortskundigen sfakiotischen Rebellen. Auch im 19. Jh. konnten die türkischen Soldaten die Samaria-Schlucht nicht in ihre Gewalt bekommen. Als sie 1866 versuchten, Agia Roumeli zu erobern, wurden sie vernichtend geschlagen und mussten 600 Tote zurücklassen. 1867 kamen sie mit 4000 Mann zurück und brannten das Dorf nieder - die Aufständischen konnten unversehrt in die Schlucht fliehen.
Von Agia Roumeli aus kann man Sfakia, Loutro und Sougia sowie Paleochora auf dem Meeresweg, erreichen. Auf der Fahrt nach Sougia lohnt sich ein Besuch des kleinen malerischen Dorfes Loutro, das am Meer liegt. Hier stand einst die Stadt Phoinix, Hafen der Stadt Anopolis, von der man heute Gebäudegrundrisse und Gewölbe von Zisternen sieht. Loutro war in der ersten byzantinischen Zeit (330-824 n.Ch.) Bischofssitz. 
Auch im 2. Weltkrieg spielte die Samaria-Schlucht eine wichtige Rolle. Als 1941 Kreta durch die deutsche Wehrmacht besetzt wurde, flüchtete die griechische Regierung (König Georg II und der Ministerpräsident Emanuel Tsouderos) durch die Schlucht zur Südküste, von wo sie von einem britischen Schiff nach Ägypten gebracht wurde.

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